Liebe Leserinnen und Leser,
beim Weg durch die Spitalstraße in Feuchtwangen, fällt das Banse-Haus auf. Derzeit präsentiert es sich in einem ungewöhnlichen Anblick. Die eine Hälfte neu gestrichen und die andere Hälfte im ursprünglichen Zustand belassen.
Diese Ausstellungsinstallation am Banse-Haus regt im Rahmen der Ausstellung Romantik: Wunsch und Wirklichkeit zum Nachdenken an. Zunächst ist das ein Nachdenken über unsere Räume und Vorstellungen, über unseren Umgang mit historischer Bausubstanz und den Möglichkeiten, die wir haben. Die Installation mit ihren Texten zeigt auf, das es keine einfachen Lösungen gibt.
Immer wieder nehme ich das Banse-Haus wahr. Es regt mich an, weiterzudenken: Schein oder Sein. Die eine Hälfte der Fassade erweckt den Schein des Neuen und Gepflegten, die andere Hälfte das Sein des Verfalls und der Vergänglichkeit. Über das, was dahinter liegt, verrät keine der Hälften etwas. Ist es „Fassadenkosmetik“ oder mehr?
„Gott spricht: Siehe ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5).
Als Jahreslosung steht dieses hoffnungsvolle und verheißungsvolle Bibelwort über dem neuen Jahr. Gott kündigt eine Renovierung der Welt an. Diese soll eine grundlegende Renovierung sein. Das zeigt der vorherige Vers: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Bilder einer gerechten und friedvollen Welt entstehen. Eine Welt, in der Leid, Schmerz und Not keinen Platz haben. Es klingt wie eine Utopie. Es ist eine Utopie, denn es geht um Gottes zukünftiges Reich.
Doch will dieses Bibelwort mehr sein als fromme „Fassadenkosmetik“ unserer Welt. Diese Worte haben Kraft. Sie können sie entfalten in den Grenzen unserer Welt und mit unseren Möglichkeiten als Menschen. Diese Welt kann anders sein. Frieden und Gerechtigkeit sind vorstellbar. Leid, Schmerz und Not können gelindert werden. Dafür öffnet das Bibelwort den Blick.
Denn der Blick auf die Verheißung Gottes schenkt Freiheit. Die Freiheit, das Leben in unserer Welt zu gestalten. Statt pessimistisch auf das zu schauen, was deprimiert und oft unveränderlich oder unvermeidbar wirkt, können wir den Blick auf die Verheißung Gottes richten. Statt uns nach unten ziehen zu lassen, können wir auf Gottes Zusage hören. Sie verheißt: Veränderung ist möglich. Diese Kraft schenken der Glaube und das Vertrauen auf Gott.
Chancen zur Veränderung gibt es viele. Die Mitarbeitenden in der TAFEL Feuchtwangen sehen die Not der Menschen unabhängig von deren Herkunft, Nationalität oder Religion. Andere gehen Schritte aufeinander zu und beenden einen Streit. Schritte der Versöhnung, die nicht einfach sind. Auf die Herkunft der Produkte beim Einkaufen achten. Die Frage „Wie geht es dir?“ dann stellen, wenn eine ehrliche Antwort erwartet wird. Oder einfach füreinander im Gebet eintreten.
So wünsche ich Ihnen und uns allen, dass wir im Jahr 2026 durch die Hoffnung und Verheißung des Bibelworts getragen werden und in kleinen Momenten erleben, dass Gott uns die Kraft schenkt, an der Veränderung der Welt mitzuwirken und unserer Welt ein menschliches Angesicht zu schenken.
Dekanin Uta Lehner
