„Hattet ihr im Kloster damals Orangen?“, fragt ein Kind. Der Mönch Froumund vom Tegernsee schaut nachdenklich. „Und Honigmelonen?“, will ein Junge wissen. „Kennst du die?“ „Nein, das kenne ich alles nicht.“, sagt der Mönch, der ja erst vor wenigen Minuten aus dem 11. Jahrhundert gekommen ist, um diesen Grundschulkindern das Feuchtwanger Benediktinerkloster des Mittelalters nahezubringen. „Aber Äpfel hatten wir, jedenfalls im Herbst. Körnerbrei gab es an den meisten Tagen. Manchmal auch Brot, Rüben, oder Fisch aus unseren Teichen.“ Als die wichtigsten Alltagsfragen geklärt sind, werden die Kinder neugieriger: „Wie habt ihr Mönche euch eigentlich vermehrt, wenn ihr keine Kinder haben dürft?“ Der Mönch erzählt begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihm schon in der Kindheit durch ein Kloster aufgetan haben: Lesen, schreiben, sogar Latein und Altgriechisch durfte er lernen! Seine Eltern konnten nichts davon. Mönch werden, das war nicht nur für den Glauben, sondern auch in praktischen Dingen eine große Chance. Er bekam Zugang zu Büchern, damals noch aus Pergament und unfassbar teuer; und sogar in andere Städte durfte er reisen, natürlich immer zu Fuß. Die Abschiedsbotschaft des Mönchs an die Kinder: „Ihr könnt alle lesen und schreiben! Für ein neues Buch müssen eure Eltern nur eine oder zwei Stunden arbeiten. Und ihr könnt in einer Woche mehr unterschiedliche Sachen essen als ich in meinem ganzen Leben! Ihr lebt in so herrlichen Zeiten!“
Herrliche Zeiten? Die Eltern der Kinder haben schon vor dem Frühstück die neuesten Bedrohungsszenarien auf dem Smartphone wahrgenommen: Die künstliche Intelligenz könnte die Menschheit auslöschen, in wenigen Jahren oder sogar Monaten. Der Mönch aus dem Mittelalter weiß davon natürlich nichts. Er weiß auch nichts von PISA-Studien und den vielen Herausforderungen unseres Bildungssystems. Er lässt sich von den Kindern vorschwärmen von den Orangen, Honigmelonen, Tomaten und Kartoffeln, und freut sich mit. Auch über die vielen Bücher und Hefte, über die Lernfortschritte und über die kleinen Ausflüge, wie der heutige, der die Klasse zum Kreuzgang geführt hat. Sich am Leben zu freuen, trotz allem, ist so wichtig für Kinder. Und auch den Erwachsenen tut es gut.
Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir, wir danken dir dafür!
Pfarrerin Daniela Bachmann
