"Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."
Der Evangelist Johannes überliefert uns diese Worte an der Stelle, als Jesus seinem Jünger Thomas erlaubt, seine Wunden zu berühren. Thomas kann das Wunder der Auferstehung von Jesus nicht glauben. Er braucht einen Beweis, dass wirklich Jesus vor ihm steht.
Thomas steht damit nicht alleine da. Auch wir verlassen uns am liebsten auf unsere eigenen Wahrnehmungen. Allerdings werden wir damit auch anfällig für Menschen, die es eben nicht gut mit uns meinen. Sie gaukeln uns scheinbare Verlässlichkeit vor, um uns eben nicht klüger zu machen, sondern um uns zu schaden.
So kommt es, dass wir heute mit solchen scheinbaren "Beweisen" überflutet werden. Völlig realistische Stimmen, Bilder und Filme sollen uns überzeugen, dass etwas der Wirklichkeit entspricht. Und im Gegenzug wird unzählige Male wird davor gewarnt, Anrufen zu glauben, in denen uns Angst gemacht werden soll. In bedrückender Menge werden Bilder und Filme erzeugt, in denen Menschen scheinbar ganz real etwas tun oder sagen, was sie nie gesagt oder getan haben. Stimmen, Bilder und Filme können erzeugt werden und wirken realistisch. Damit wir glauben, was wir sehen.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, sagt Jesus. Es geht beim Glauben wohl nicht um die eine, wirklichkeitsgetreue Abbildung oder die einmalig gültige und verlässliche Zeugenaussage vom Wunder der Auferstehung. Es geht für mich beim Glauben um ein tiefes Grundvertrauen, dass wir den Erfahrungen unserer Vorfahrinnen und Vorfahren Glauben schenken dürfen, die in diesem Glauben Trost und Kraft für ihr Leben gefunden haben. Da bleibt auch in allem unseren menschlichen Scheitern ein Leitfaden, wie wir miteinander leben sollen, ein Vertrauen, dass es das Gute gibt und ein Halt, mit dem Gott uns festhält, wenn der Augenschein uns zweifeln lässt.
Ich bin überzeugt, wir dürfen uns das Wunder der Auferstehung ganz vielfältig vorstellen und in Bilder fassen. Diese Bilder erzählen dann etwas von dem Sinn meines oder Ihres Gottvertrauens. Solche Bilder erzählen vom Glauben, von der Liebe und von der Hoffnung. Sie erzählen von Erfahrungen des Glaubens mitten in unserem Leben. Und solche Bilder machen Mut, dem Weg zu folgen, den Jesus für uns gegangen ist.
Das eigentlich Wichtige bleibt unsichtbar und niemand kann darüber verfügen. Das eigentlich Wichtige, Gottes Liebe zu uns, gibt meinem Leben auch in einer verwirrenden und verunsichernden Gegenwart einen stabilen Grund und eine hoffnungsvolle Ausrichtung.
Pfarrer Wibert Lehner
