Wort für die Woche

Diakon Markus Munzinger
Bildrechte St. Ulrich und Afra

Der Augenblick ist das Gewand Gottes

Der große jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878–1965) hat das eindrucksvolle Wort geprägt: „Der Augenblick ist das Gewand Gottes.“ Dieser Satz lädt uns, innezuhalten und die Gegenwart nicht geringzuschätzen. Denn oft suchen wir das Große, das Wichtige und das Entscheidende irgendwo anders: in vergangenen Erfahrungen oder in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch vielleicht begegnet uns Gott gerade hier und jetzt — mitten in diesem Augenblick. So darf ich mich fragen: Was hat Gott mit mir noch vor? 

Der Augenblick ist mehr als nur ein kurzer Abschnitt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er ist die Zeit, die uns wirklich gehört. Was gestern war, können wir nicht mehr ändern. Was morgen kommt, liegt noch nicht in unserer Hand. Aber heute können wir aufmerksam sein. Heute können wir ein freundliches Wort sagen, jemandem zuhören, Dankbarkeit zeigen oder einen ersten Schritt tun. Manchmal sind es gerade die kleinen Gesten im Alltag, die Licht in das Leben eines anderen Menschen bringen.

Darum sind wir eingeladen, den Augenblick nicht als etwas Flüchtiges abtun, sondern als Geschenk zu verstehen. Vielleicht sehen wir dann klarer, wie viel Gutes Gott uns mitten im Alltag schenkt und wie er uns in Menschen, Begegnungen und Situationen nahekommt. 

Wenn also Martin Buber sagt: „Der Augenblick ist das Gewand Gottes“, dann dürfen wir darin eine Einladung hören: Schauen wir achtsam auf diesen Tag. Nehmen wir wahr, was uns von Gott geschenkt ist. Und gehen wir mit offenem Herzen in die kommenden Stunden – im Vertrauen darauf, dass auch im Kleinen etwas Großes aufleuchten kann.

Markus Munzinger, Ihr Diakon von St. Ulrich und Afra