Naturwissenschaft und Glaube
Kürzlich habe ich meinen neuen Konfirmandenkurs gefragt: Was macht es schwer zu glauben? Die häufigste Antwort in diesem Alter lautet: Das man ihn nicht sehen kann.
Logisch. Was ich sehen kann, daran kann ich leichter glauben.
Zugleich: Würde man Gott so sehen können, wie man ein Mitgeschöpf oder einen Gegenstand sehen kann, dann wäre er nicht Gott. Ein Vergleich: Ein Künstler malt ein Bild. Wird man in dem Bild den Künstler sehen können? Seine „Handschrift“ wird man womöglich in dem Bild sehen können. Ihn selbst aber nicht. „Er könnte sich aber auch in das Bild reinmalen“, meinte ein Konfirmand. „Richtig“, antworte ich, „und die Bibel sagt im Prinzip sogar so etwas: Dass Gott sich vor 2000 Jahren sozusagen in sein Werk selber reingemalt hat – als Jesus.“
Ein anderer Vergleich: Wenn ein Entwickler ein Spiel entwickelt, z.B. Mario Kart, dann könnten sich Mario und Bowser – wären sie dazu fähig – auch so Fragen stellen: „Glaubst du eigentlich an einen Entwickler?“ „Nein“, könnte Bowser antworten, „einen Entwickler habe ich noch nie gesehen. Ich denke wir sind einfach so aus dem nichts entstanden?“ Ein weiterer Einwand, der bei uns manchmal eingebracht wird gegen den Glauben an Gott, wird uns allerdings noch weniger einleuchten, wenn wir ihn anhand des Beispiels von einem Computerspiel durchdenken. Oft wird ja gesagt: Naturgesetze würden gegen den Glauben an Gott sprechen. Warum eigentlich?! Ist das nicht so als würde Bowser zu Mario sagen: „Schau in unserer Welt herrschen feste Gesetzmäßigkeiten. Wenn du dich z.B. ein roter Schildkrötenpanzer trifft, wird es dich immer drehen. Siehst du Mario, es steht also kein Entwickler hinter unserer MarioKart-Welt.“
Eine Konfirmand meinte dann noch: Viele sagen heute, dass die Naturwissenschaft alles erklären kann. Z.B. woher das Universum kommt. Ich versuche meinen Konfirmanden dann nahezubringen, dass Naturwissenschaft – ich hatte zumindest selber einmal Mathe- und Chemieleistungskurs – tatsächlich nur eine ganz bestimmte Ebene des Lebens untersucht und betrachtet. Nehmen wir als Beispiel einen Kuchen. Letzte Woche hatte ein Konfirmand Kuchen mit in den Kurs gebracht. Würde man einen Naturwissenschaftler bitten zu untersuchen, woher der Kuchen kommt: Er könnte mit seinen naturwissenschaftlichen Methoden eine beeindruckende, lückenlose Antwort geben: Aus den Resten des Kuchens könnte er genau die Zutaten des Kuchens bestimmen und vielleicht sogar mit welcher Geschwindigkeit sie miteinander verrührt wurden und auf die Sekunde genau berechnen wie lange der Kuchen bei welcher Temperatur im Ofen gestanden haben muss. „Also alles klar“, sage ich provokativ zu meinen Konfis: „Naturwissenschaft hat erklärt, woher der Kuchen kommt.“ Aber meine Konfis waren nicht einverstanden. Denn die eigentliche Frage konnte der Naturwissenschaftler eben nicht beantworten: Nämlich warum es den Kuchen gab. In diesem Fall: weil die Mutter ihren Sohn liebte und ihm zum Geburtstag eine Freude machen wollte, die er mit dem ganzen Kurs teilen durfte.
Ja, das waren jetzt nur ein paar kleine Vergleiche. Aber sie deuten vielleicht an, warum auch Wissenschaftler ersten Ranges zu folgenden Aussagen kamen:
Einstein: „Die gängige Vorstellung, ich sei Atheist, beruht auf einem großen Irrtum. Wer sie aus meinen wissenschaftlichen Theorien herausliest, hat sie kaum begriffen.“
Und einer der beiden weiteren Mitbegründer der modernen Physik – Max Planck – sagte sogar noch deutlicher: "Religion und Naturwissenschaft - sie schließen sich nicht aus, wie manche heutzutage glauben oder fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander.“
Herzlich grüßt, Ihr Patrick Nagel, Pfarrer
Naturwissenschaft und Glaube:

